Französische Konzession, Jing'an-Tempel und Propaganda Poster Art Center

Heute ging es auf in einen südwestlichen Bereich der Stadt, der Französische Konzession genannt wird. Eigentlich besteht er aus den Stadtteilen Luwan, Xuhui, Changning und Jing'an. Diesem Teil der Stadt verdankt Shanghai seinen Ruf als "Paris des Ostens". Da waren wir natürlich neugierig und wollen uns das mal anschauen. Zuerst haben wir den Jing'an-Tempel besucht. Mein Reiseführer sagt dazu, dass dieser Tempel für ganz Shanghai symbolisch ist: 5% traditional, 95% rebuilt. Und tatsächlich wirkt an dem Bauwerk mit seinen Türmen, Mauern und Hallen nur wenig traditionell. Außen befinden sich im gleichen Bauwerk Läden und Restaurants, die zum Teil im Hof des Tempels ihren Abwasch machen. Trotzdem war der Tempel schön anzuschauen und in der Hauptgebetshalle waren Mönche und andere Gläubige gerade bei einer Zeremonie mit Gesängen. Leider haben wir mal wieder nicht so ganz verstanden, worum es dabei so geht.

Danach sind wir vom Tempel aus losgegangen in Richtung Propaganda Poster Art Center. Dabei ging es durch einige Straßen, die erkennen lassen woher die Gegend ihren Namen hat. Oft waren es Alleen mit Bäumen, wie man es sonst in Shanghai und Peking nicht sieht. Wir hatten zwar schon von einem anderen Touristen gehört, dass es nicht so leicht ist das Museum zu finden, aber es wurde noch schwieriger als wir dachten. Erstmal haben wir die Adresse falsch ins Navigationsprogramm eingegeben. Wir waren also erst bei Huashan Road Hausnummer 686 und 668, bis wir rausgefunden haben, dass wir eigentlich zu 868 müssen. Dort angekommen fanden wir einen Wohnblock mit fünf Hochhäusern an, die so garnicht nach Museum aussahen. Nachdem wir ein paar Mal drumrumgelaufen sind und dann doch den Reiseführer nochmal bemüht haben, sind wir mit dem Aufzug in den Keller von Gebäude B gefahren und da fanden wir tatsächlich das Propaganda Poster Art Center.

Dort findet man in einer etwas runtergekommenen Kelleretage eine umfangreiche Ausstellung von Propaganda Postern aus den 50er, 60er und 70er-Jahren unterteilt nach politischen Perioden. Zu Beginn jedes neuen Abschnittes gab es eine kurze Einführung, welche geschichtlichen Ereignisse zu diesem Zeitpunkt in China ausschlaggebend waren und was der Tenor der jeweiligen Propaganda war. Das war sehr hilfreich, um die ausgestellten Poster besser einordnen zu können. Außerdem stand die Aufschrift der Poster jeweils auf Englisch übersetzt direkt daneben. Nach einigen anderen Museen, die wir bereits in China besucht hatten, ein echter Luxus. Die Poster reichten von glücklichen Familien- und Arbeiterszenarien über US-verunglimpfende Karikaturen bis hin zu Kampfaufrufen und Mao-Lenin-Stalin-Engels-Marx-Heroenbildern. Ergänzend gab es noch einen kleinen Bereich mit Bildern von den berühmten Shanghai Girls, die so etwas wie die Kalender-Girls Shanghais der 20er und 30er-Jahre waren. Nach wie vor ist für uns nicht ganz klar, warum das Museum so versteckt in einem Keller liegt und sich außen am Gebäude kein einziger Hinweis darauf befindet. Es ist anzunehmen, dass die Ausstellung von der Regierung wohl nicht erwünscht ist. Man weiß es nicht genau.

Nachdem die Jungs gern den Apple Flagship Store sehen wollten, ging es gegen Abend nach Pudong. Dieser Stadtteil liegt östlich des Huangpu. Der Apple Store ist unterirdisch mit einer hohen Glassäule als Abgang zum Laden. Schon ganz nett anzuschauen. Außerdem liegt er zwischen den ganzen Wolkenkratzern, die wir die Tage zuvor vom Bund aus gesehen haben. Da wir nun schonmal in Pudong waren haben wir uns da auch von unserem Reiseführer leiten lassen und sind in das vorgeschlagene Restaurant gegangen. Wir sind vorzüglich thailändisch essen gewesen. Danach waren wir noch am Huangpu-Ufer um uns den Bund mal von der anderen Seite anzuschauen. Zurück ging es dann zur Abwechslung mal nicht mit der U-Bahn, sondern mit der Fähre. Leider durfte man nicht auf Oberdeck raus, deshalb war der Blick nicht so beeindruckend, wie wir gehofft hatten. Trotzdem ein sehr schöner Abend.