An der DMZ

Am nächsten Morgen haben wir dann erfahren, weshalb wir eigentlich nach Kaesong gefahren sind: wir waren nur noch etwa sechs Kilometer von der DMZ entfernt. Also haben wir uns mit unseren Bussen aufgemacht, um die DMZ von nordkoreanischer Seite aus zu besichtigen. Als erstes mussten wir am Beginn der DMZ einige Zeit warten, bis wir einen Führer zugeteilt bekommen hatten und die Erlaubnis erteilt war weiterzufahren. Dabei hat uns der Führer noch den grundlegenden Aufbau der DMZ und den Ablauf unseres Besuchs erklärt.

Zuerst ging es eine Straße entlang, neben der alle paar Meter große Betonblöcke stehen, die im Bedarfsfall einfach als Straßensperren auf die Fahrbahn gekippt werden können. Zudem war die Straße fast die ganze Zeit mit Stacheldraht gesäumt. Unser erster Stop waren zwei Gebäude, in denen die Verhandlungen zum Waffenstillstand beim Koreakrieg zwischen den Amerikanern und Nordkoreanern geführt wurden. Das sind einfach zwei kleine Gebäude, die bis auf ein paar Tische und Stühle komplett leer sind. Im zweiten Gebäude sind nur drei Tische und zwei Stühle, hier wurde das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.

Hier wird auch die originale Flagge der UNO ausgestellt, die die Amerikaner statt der amerikanischen Flagge auf ihrem Tisch bei der Unterzeichnung stehen hatten. An den Wänden des Raums sind noch einige Zeitungsartikel aus der Kriegszeit ausgestellt, sowie eine berühmte Axt, die auf einen Vorfall nach dem Abkommen anspielt. Hierbei sollen ein paar GIs mit einer Axt nach Nordkoreanern geworfen haben, als diese die Amerikaner dabei erwischt hatten, wie diese einen Baum auf nordkoreanischer Seite fällen wollten. Die Nordkoreaner allerdings haben die Axt mit ihren krassen Kong Fu Künsten abgewehrt und zurück geworfen. Dabei wurde dann ein GI tödlich von der Axt verwundet. Das ganze ist dann in einem längeren Feuergefecht geendet.

Als wir mit dem Durchsehen der Zeitungsartikel fertig waren, sind wir dann direkt bis zur Demarkationslinie gefahren. Hier stehen sich die Nord- und Südkoreaner direkt gegenüber. Auf der Linie befinden sich sechs kleine Baracken, in denen Gespräche zwischen Nord und Süd geführt werden können, ohne dass man in das jeweils andere Land muss. Normalerweise ist es auch möglich eines davon von innen anzuschauen, allerdings hatten die Südkoreaner von innen die Tür zugesperrt, weil sie selbst Touristen durchgeführt hatten. Und aus irgendeinem Grund, wahrscheinlich um noch mehr Touristen durchzuschleusen, haben sie die Tür nicht wieder ausgesperrt. Somit blieb es uns nur übrig, die Demarkationslinie von oben aus zu betrachten.

Anschließend sind wir wieder aus der DMZ rausgefahren und haben unseren Führer am Anfang abgesetzt. Danach haben wir ein Museum besucht, das in einem alten Palast, der irgendwann zu einer Universität umfunktioniert wurde, untergebracht war. Im Museum war die Geschichte Koreas dargestellt. War teilweise ganz nett anzuschauen, wurde dann aber auch schnell relativ langweilig, als doch immer wieder ähnliche Dinge ausgestellt waren. Also haben wir uns wieder aufgemacht, mit dem Bus zurück nach Pjöngjang zu fahren.

Vorher sind wir allerdings noch in Kaesong essen gegangen. Davor haben wir noch mit dem Bus an einer Kim Il Sung Statue gehalten, damit wir sie fotografieren konnten, nachdem wir die Statue in Pjöngjang nicht besuchen durften, weil im Hintergrund ein Gebäude restauriert wird und das nicht schön aussähe. Zum essen gab es diesmal typisch koreanisches Essen: viele kleine Schälchen, in denen verschiedene Gerichte kalt serviert werden. Je mehr Schälchen man so hat, desto reicher ist man. Mit unseren zwölf Schälchen waren wir sicher schon an der oberen Grenze anzusiedeln. Das meiste davon war leider nur begrenzt genießbar, einiges gar nicht.

Nach dem Mittagessen haben wir uns schließlich auf unsere Heimreise gemacht. Auf halber Strecke sind wir noch in einen Ort abgebogen, von dem wir nach wie vor nicht wissen, wie er heißt und was wir da so genau wollten. Angeschaut haben wir einen Bereich der Stadt, der 2008 restauriert wurde und jetzt eine kleine Seenanlage mit Gebäuden und Brücken im koreanischen Stil ist.

Zum Abendessen waren wir wieder in Pjöngjang und dort in einem Entenrestaurant. Es gab super Entenfleisch, das man sich auf einem kleinen Gasgrill selbst grillen musste. Trotz der damit verbundenen Arbeit war es eines der besten Essen in der gesamten Zeit in Nordkorea. Da es der letzte Tag für einen Großteil der Gruppe war sind wir anschließend in eine Diplomatenbar gegangen, wo wir einen privaten Raum mit einer Karaokeanlage gemietet haben. Zum Glück sind wir da nicht ewig geblieben, es war schrecklich den Leuten beim schlechten Singen zuzuhören.