Pjöngjang Teil 2

Und weiter geht's mit dem Bericht aus Nordkorea. Am zweiten Tag haben wir weiter Pjöngjang erkundet. Gestartet sind wir wieder früh am Morgen und sind zuerst zum Mausoleum von Kim Il Sung gefahren. Das Mausoleum ist ein riesiges Gebäude, das vor seinem Tod die offizielle Residenz war. In das Mausoleum darf man keinerlei Dinge mitnehmen, man muss also vorher Alles - und damit meine ich wirklich Alles - aus seinen Hosentaschen entfernen. Kameras kann man zwar mitnehmen, aber nur bis zum Beginn des Sicherheitsbereichs, wo man sie dann an einer Garderobe abgeben muss.

Am Eingang werden auch noch die Schuhe mit einer Maschine von Dreck befreit und das ganze Mausoleum ist somit absolut frei von Dreck. Über lange Rollbahnen wie am Flughafen fährt man dann fast eine viertel Stunde, bis man in einen ziemlich großen Raum kommt, in dem nur eine Kim Il Sung Statue steht. In Viererreihen geht man bis zu einer bestimmten Linie, betrachtet ein paar Sekunden lang die Statue und geht daraufhin weiter in den nächsten Raum. Dort bekommt man einen Audio-Guide, in dem man darüber aufgeklärt wird, wie hart das Land vom Tod ihres Führers getroffen wurde und wie lange und stark alle getrauert haben. In dem Raum ist wieder eine Statue von Kim Il aufgestellt und an den Wänden sind Reliefs, die die Trauer des Volkes darstellen.

Danach geht es weiter zum Aufbahrungsraum. Mit einem Aufzug wird man erst ein Stockwerk nach oben gefahren, um sich anschließend wieder in Vierergruppen hintereinander aufzureihen. Dann geht man erstmal durch einen Gang, in dem man von allen Seiten mit Luft abgeblasen wird, um so zu verhindern, dass man Staub mit in den nächsten Raum bringt. Der Raum, in dem Kim Il Sung aufgebahrt liegt ist ganz in rot beleuchtet, was die Stimmung ziemlich gut beeinflusst. Man geht durch den Raum um Kim Il Sung herum, macht bei seinen Füßen und an beiden Seiten - auf keinen Fall hinter seinem Kopf - jeweils zu viert eine tiefe Verbeugung zu ihm hin und wird so in einem ständigen Besucherstrom durch den Raum geführt.

Zum Abschluss des Besuchs im Mausoleum bekommt man noch einige Informationen über Kim Il Sung mitgeteilt, zum Beispiel, mit welchem Zug er gefahren ist, welches Auto er benutzt hat und wie viele Kilometer er mit dem Flugzeug oder dem Zug in welchem Lebensabschnitt zurückgelegt hat. Zurück zum Bus geht es wieder langsam mit den Rollbahnen, zwischendurch wird noch ein kurzer Halt gemacht, bei dem man das Mausoleum von Außen fotografieren kann.

Nach dem Mausoleum ging es weiter zu einem Gedenkfriedhof, an dem an die Helden des Koreakrieges gedacht wird. Auf einem Hügel sind terrassenförmig angelegt über hundert Gräber von Kriegshelden mit bronzenen Büsten angeordnet. Die oberste Reihe bilden die bedeutendsten Persönlichkeiten, darunter die Mutter von Kim Jong Il und die zweite Ehefrau von Kim Il Sung. Gekrönt wird die Gedenkstätte durch eine riesige rote Steinflagge. Sowohl am Eingang, als auch vor dem Grab der Mutter legt man üblicherweise Blumen ab, um so seine Ehrerbietung gegenüber den Gefallenen und der Mutter zu zeigen.

Als weiterer Programmpunkt vor dem Mittagessen stand noch ein Besuch in einem weiteren Giftshop an. Hier konnte man, als einzige Käufer in diesem Laden, sich mit koreanischen Süßigkeiten, Zigaretten und allem möglichen Kleinkram eindecken. Wir haben irgendeine Süßigkeit mal gekauft und denken im Nachhinein, dass es Ingwer gewesen sein muss. Geschmeckt hat es allerdings nach fast gar nichts.

Zum Mittagessen waren wir wieder im Hotel, diesmal im koreanischen Restaurant. Viel kann man dazu eigentlich nicht sagen, es hat soweit ich mich erinnere gut geschmeckt. Nach dem Mittagessen stand ein kleiner Spaziergang am Fluss auf dem Programm. Unsere Busse haben uns ungefähr einen Kilometer vom Kim Il Sung Platz entfernt abgesetzt und wir sind gemütlich zum Platz geschlendert. Am Fluss sitzen relativ viele Menschen, die einfach nichts tun, gemütlich Mittag essen oder spielen. Außerdem konnte man sich als Nordkoreaner wohl Ruderboote ausleihen, zumindest gab es eine Stelle am Fluss, wo ziemlich viele Nordkoreaner mit Ruderbooten einfach den sonnigen Tag genossen haben. Am Kim Il Sung Platz wurden wir wieder von unseren Bussen eingesammelt und weiter zur USS Pueblo gefahren.

Die USS Pueblo ist ein amerikanisches Kriegsschiff, das 1968 von den Nordkoreanern gekapert wurde. Es ist das einzige amerikanische Kriegsschiff, das sich in Händen einer fremden Nation befindet. Darauf sind die Nordkoreaner so stolz, dass sie das natürlich auch allen Besuchern ihrer Hauptstadt zeigen müssen. Als Führerin hatten wir auf dem Boot wieder unsere Führerin aus dem War Museum, die uns dann die Geschichte der Kaperung und der nachfolgenden Ereignisse aus nordkoreanischer Sicht erklärt hat. Außerdem ist sie jetzt sicherlich eine Berühmtheit, da von den anderen Mitreisenden ungefähr die Hälfte ein Bild mit ihr machen wollte.

Als nächstes ging es zum Geburtsort von Kim Il Sung. Angelegt ist die Anlage wie ein Park, es wurden Hütten nachgebaut, in denen Kim Il Sung wohl aufgewachsen ist und in den Hütten Gegenstände, die die Armut seiner Familie und ihrer tägliche Arbeit darstellen sollen, ausgestellt. Insgesamt war dieser kleine Punkt unseres Tagesplans in meinen Augen der merkwürdigste und lächerlichste. Deshalb auch dazu nicht mehr mehr. Kommen wir lieber zu einem weiteren Höhepunkt, dem Schoolchildrens Palace.

In Nordkorea gibt es in den Städten sogenannte Schoolchildrens Palaces. Das sind einfach Gebäude, in denen nach der Schule für die Kinder Aktivitäten angeboten werden. Angefangen bei Malerei über Sport bis hin zu Computerkursen wird den Schülern eine große Palette an außerschulischen Aktivitäten ermöglicht. Der Besuch eines solchen Palastes ist freiwillig und soweit wir wissen kostenlos. Wir sind also zu einem der beiden Schoolchildrens Palaces in Pjöngjang gefahren. Das Gebäude allein ist schon beeindruckend groß. Im Inneren findet man dann riesige Hallen mit hohen Decken, die wie die Metrostationen prunkvoll ausgestaltet sind. Insgesamt also erstmal kein Ort, bei dem man gleich an Kinder denken würde.

Möglicherweise waren wir an einem irgendwie gearteten Tag der offenen Tür da, zumindest wurden wir schon am Eingang von einer Gruppe Schülerinnen erwartet, von denen uns eine durch das Gebäude geführt hat. Uns wurden die verschiedenen Aktivitäten, die man so machen kann gezeigt und alles hat ein wenig aufgesetzt gewirkt. So haben zum Beispiel alle musizierenden Kinder nicht etwa Sachen geübt, sondern eigentlich nur für die Besucher vorgespielt. Als Abschluss unseres Besuchs dort haben wir uns noch eine Vorführung im gebäudeeigenen Theatersaal angeschaut. Es war ein wenig wie Arirang, mit viel Tanz und Akrobatik, nur eben diesmal mit Kindern als Protagonisten.

Als Abschluss des Tages sind wir mit dem Bus nach Kaesong gefahren, das ungefähr 160 Kilometer südlich von Pjöngjang liegt. Warum wir da hingefahren sind war uns zunächst nicht klar, einziger Grund, der uns bis zum nächsten Morgen bekannt war, war, dass wir mal traditionell koreanisch Essen und Schlafen sollen. Gegessen haben wir am Abend auch noch traditionell koreanisch, was bedeutet, dass man am Boden sitzend isst. Und so haben wir auch die Nacht verbracht. Auf einer einen Zentimeter dicken "Matratze" mit einem Stein als Kopfkissen auf dem Boden liegend zu schlafen ist für manch einen nicht so einfach wie für andere.