Pjöngjang

Nach einer langen Zugfahrt und nur kurzem Schlaf ging es heute ziemlich früh wieder los. Im Hotel gab es noch ein nicht wirklich gutes Frühstück, danach wurde unsere Gruppe auf zwei Busse aufgeteilt, damit wir nicht mehr so große Gruppen sind. Allerdings haben wir dann doch alles immer gemeinsam gemacht, sodass die Teilung gar nicht so viel Sinn gemacht hat. Als erstes sind wir mit den Bussen zu einer Metro Station gefahren. Die Metro Station ist äußerst aufwendig und prunkvoll gestaltet. Überall hängen Kronleuchter, die Wände sind mit Mosaiken mit Szenen aus dem täglichen Leben der Nordkoreaner geschmückt. Die Züge sind alte DDR-Wägen, die allerdings noch ohne Probleme funktionieren. Entgegen einiger Berichte wird die Metro auch von vielen Einheimischen verwendet und es gibt wohl zwei Linien, die durch die Stadt führen. Wir sind dann auch noch eine Station mit der Metro gefahren und wurden dort wieder von unseren Bussen abgeholt.

Danach ging es zu einem Foreign Language Bookstore, wo Veröffentlichungen von Kim Il Sung in verschiedenen Sprachen verkauft wurden. Außerdem konnte man noch diverse Propagandaartikel, Poster, Postkarten, Anstecknadeln, etc. kaufen.

Nach dem Besuch im Bookstore sind wir zum Kim Il Sung Platz gelaufen. Dieser Platz liegt vor der Nationalbibliothek und wird für verschiedene Aufmärsche verwendet. Deshalb sind auch alle 50 cm weiße Punkte, die durchnummeriert sind, damit jeder seinen Platz findet. Rechts und links sind noch weitere große Gebäude, außerdem wird der Platz von großen Portraits von Kim Il Sung, Marx und Lenin überblickt. Auf de Rückseite wird der Platz von einem Fluss und dem Turm der Juche Idee begrenzt.

Diesen Turm haben wir auch als Nächstes besucht. Der Turm ist eine stilisierte einhundertsiebzig Meter hohe Fackel, die in der Nacht auch rot leuchtet. Sie wurde in einem Jahr als Geburtstagsgeschenk zu Kim Il Sungs siebzigsten Geburtstag aus 25.550 Granitblöcken, je einem für jeden Tag in Kim Il Sungs Leben bis zum Geburtstag, errichtet. Außerdem wir mit diesem Turm die Juche Idee geehrt. Die Juche Idee ist die Ideologie, die Kim Il Sung begründet hat und auf der er den Staat aufgebaut hat. Grob zusammengefasst - so wurde es uns zumindest erklärt - bedeutet die Juche Idee, dass jeder für sein eigenes Schicksal verantwortlich ist, trotzdem aber dem gesamten Staat verpflichtet ist. Vor dem Turm steht noch eine Statue, bestehend aus drei Personen, die die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Juche Idee darstellt. Für fünf Euro sind wir noch auf den Turm hochgefahren, um die neblige Aussicht über Pjöngjang zu genießen.

Danach sind wir traditionell koreanisch essen gegangen, wir haben einen Hotpot vorgesetzt bekommen. Die Idee des Hotpots kommt von den Soldaten, die im Krieg in ihren Helmen eine einfache Suppe kochen konnten, in die sie dann alles möglich reingeworfen haben.

Nach dem Mittagessen sind wir zum Monument zu Ehren der Arbeiterpartei gefahren. Es besteht aus großen Granitblöcken, die wieder die drei Bevölkerungsgruppe darstellen. Je eine Faust für Arbeiter, Bauern und Intellektuelle mit ihren jeweiligen Symbolen bilden einen Kreis, der von einem großen Band, auf dem reliefartig Szenen aus der Geschichte der Arbeiterpartei dargestellt werden, umfasst wird.

Danach ging es direkt weiter zum nächsten Monument, dem Monument zu Ehren der verschiedenen beteiligten Gruppen am Befreiungskrieg gegen Japan (Victorious fatherland liberation war). Das Monument ist ein ziemlich großer Platz, den man durch ein Siegestor betritt. Danach finden sich auf beiden Seiten große Bronzestatuen der verschiedenen Abteilungen des Militärs, der helfenden Bevölkerung und allen weiteren Beteiligten.

Vom Monument sind wir weiter zum Victorious fatherland liberation war Museum gegangen. Hier wurden wir von einer netten Nordkoreanerin durch das Museum geführt, in dem der Verlauf des Krieges aus nordkoreanischer Sicht erzählt wird. Große Besonderheit des Museums waren eine Multimedia-Show aus den 80ern, d.h. wir saßen vor einer Kulisse und es haben verschiedene Lichter geblinkt, um eine Geschichte über die glorreiche nordkoreanische Armee zu erzählen. Außerdem gibt es noch einen Raum, der komplett von einem Panoramabild umfasst wird. Das Bild ist ca. 130 Meter lang und 15 Meter hoch und man sitzt in der Mitte auf einer drehenden Plattform. Dargestellt ist eine Szene aus dem Koreakrieg.

Vor dem Abendessen ging es noch zu den Filmstudios, in denen alle Filme Nordkoreas gedreht wurden. Da haben wir die verschiedenen Kulissen, die sie aufgebaut haben, angeschaut, war irgendwie unspektakulär. Außerdem konnte man sich noch für einen Euro verkleiden und Fotos vor den Kulissen machen. Zum Abendessen waren wir wieder in unserem Hotel, diesmal im Korean-Restaurant. Direkt nach dem Abendessen ging es dann los zum Arirang-Fest.

Das Arirang-Fest ist eine riesige Tanz-/Akrobatik-/Musik-Show, in der die Geschichte "Arirang" und das zugehörige Lied verarbeitet werden. Arirang bedeutet in etwa "Komm (zurück) Rirang" und behandelt eine Liebesgeschichte. Beim Arirang-Fest in Pjöngjang wird aber vorrangig die Geschichte Koreas verarbeitet. Dargestellt wird alles durch eine Massengymnasik- bzw. -akrobatikshow. Dabei nehmen ca. 100.000 Koreaner jeden Alters teil und studieren exakt verschiedene Choreografien ein. Jede Choreografie besteht aus 500 - 1.000 Menschen, faszinierender Weise schaffen sie es auch in fünfzehn Sekunden die komplette Mannschaft auszutauschen. Auf der Tribüne gegenüber den Sitzplätzen sitzen 20.000 Schüler, die mit Büchern mit bunten Seiten riesige Bilder darstellen. Damit wird jeweils ein passendes Hintergrundbild zur aktuellen Szene auf dem Feld dargestellt.

Die Show hat ungefähr eineinhalb Stunden gedauert, wofür wir noch 80 Euro für die billigsten Karten entlohnen mussten. Man kann zwar mehr Geld für Karten ausgeben, allerdings sind die Karten für 80 Euro auch auf jeden Fall ausreichend. Die Show war eines der faszinierendsten Dinge, die ich seit langem (oder sogar jemals) gesehen habe und ich kann nur jedem empfehlen sich es entweder einmal selbst live anzusehen, oder die Videos, die der Dani davon gemacht hat sich mal zeigen zu lassen.