Ho Chi Minh City, Vietnam: die Geheimsprache

Ankunft in Ho Chi Minh City, nach einiger Busfahrt so gegen halb 4. Halt, vom Mittagessen an einer Raststätte gibt es noch was zu erzählen: Frittierte Reisbälle, wenn ich das richtig verstanden habe, wird dazu gekochter Reis genommen, ungefähr eine Hand voll und zu einem Knödel zusammen gepresst. Dann in der Friteuse gebraten, dabei bläst sich der Reisball auf bis zu 20cm auf. Innen ist er dann hohl, nur unten in der Kugel liegt noch der restliche Reis, der dann kaugummiartig wird. Geschmacklich war es ein Volltreffer, leider fehlte etwas Obst oder brauner Zucker (mit dem es wohl üblicherweise serviert wird), trotzdem eine leckere vietnamesiche Spezialität.In Ho Chi Minh geht's ab. Die Straßen gehören hier eindeutig den Motorrollern. Autos gibt es kaum, außer Taxis, aber gefühlt besitzt jeder Vietnamese mehrere Motorroller, die er gleichzeitig durch die Stadt fährt, anders kann ich mir diese Menge an Rollern nicht erklären. Ich glaube auch, dass die alle die ganze Zeit im Kreis fahren. Ampeln und Zebrastreifen gibt es zu Hauf, deren Wirkung kommt aber den opositionellen Parteien im Vietnam gleich. Die einzige Chance eine Straße zu überqueren ist einfach loszugehen, gerade über die Straße, bei gleichbleibendem Tempo, nicht nach links, rechts oder vorne schauen, sondern einfach vor sich auf den Boden. Keinesfalls vom Hupen irritieren lassen. Hupen heißt hier wohl soviel wie "ändere jetzt nicht deine Richtung, ich überhole". Ansonsten kann man im vietnamesischen Straßenverkehr beliebig die Fahrspur, -richtung, -geschwindigkeit ändern. Andere Leute auszubremsen oder zu schneiden ist hier üblich und stört keinen. Mindestens so spannend wie der Verkehr sind die Stromleitungen. Im Laufe der Jahre hat sich wohl jeder, der gern Strom hätte ein eigenes Kabel an die Masten gehängt, die Kabel hängen teilweise bis auf Kopfhöhe herunter. Ich dachte ja, was ich jedes Jahr am Kult fabriziere ist abenteurlich, bis wir Kambodscha gesehen haben, aber im Vergleich zu Vietnam ist auch Kambodscha ein Ponyhof. Wir haben dann das Kriegsmuseum besucht. Dort im Hof sind eroberte Fahr- und Flugzeuge der U.S. Army ausgestellt, im Ausstellungsberich drinnen sind Waffen, Teile von getroffenen Flugzeugen und einiges mehr an Kriegsausrüstung aus dem Vietnam-Krieg zu sehen. Außerdem viele, viele Fotos von Opfern der Nachwirkungen von "Agent Orange". Die Bilder von verstümmelten Armen, fehlenden und fehlplazierten Körperteilen wirkte auf mich ein bisschen wie ein ganz bizarre Freakshow. Damit jedes Land weiß woran es ist, hing die Reihenfolge der Lieblingsländer des Vietnams aus. (Eigentlich die aufsteigend nach Datum sortierete Liste, wann der Vietnam mit den jeweiligen Ländern diplomatische Gespräche aufnahm) Deutschland belegt dort den Mittelfeldplatz 86, China und Russland führen die Liste an, während die USA damit zu kämpfen haben, dass noch genügend Papier am unteren Rand der Liste übrig ist.

Dummerweise sind heute zwei neue Mitglieder zu unserer Reisegruppe gestoßen, die deutsch sprechen. Damit haben wir unserer Geheimsprache verloren um über die anderen Gruppenmitglieder zu lästern. Mist!

Morgen erkunden wir weiter die Stadt und legen uns abends in den Nachtzug.

Fotos, vor allem von unseren neuen Hüten, gibt es hier.