Phnom Penh, Kambodscha: Spinne zum Abendessen

Für heute stand ein eher bedrückendes Programm auf dem Plan: der Besuch von zwei wichtigen Plätzen in der Geschichte des kambodschanischen Genozides durch das Pol-Pot-Regime. Nach dem Frühstück sind wir aufgebrochen zum S-21 Prison (auch Tuol Sleng), danach ging es zu den Killing Fields von Choeng Ek.

Zur kurzen Erklärung: 1975 ergriffen die so genannten "Roten Khmer" oder "Khmer rouge" die Macht in Kambodscha und wollten den Staat in eine kommunistische Bauerngesellschaft umgestalten. Zu diesem Zweck wurden alle Einwohner der Städte (also auch der Hauptstadt Phnom Penh) unter einem falschen Vorwand innerhalb von wenigen Tagen(!) aufs Land zwangsevakuiert. Der Anführer dieser Revolution war Pol Pot. Die Ziele des Regiemes wurden mit unfassbarer Brutalität durchgesetzt und die Roten Khmer schreckten dabei vor keiner Gewalttat zurück. Alle Intelektuellen (dazu zählte jeder, der auch nur ein Brille trug), hohen Beamte und Offiziere sowie deren Familien, wurden als Gegner des Regimes angesehen und daher inhaftiert. Unter anderem im "S-21" hier in Phnom Penh. Das sog. "Security Office 21" war vor der Machtergreifung durch Pol Pot eine Schule und wurde notdürftig zum Gefängnis umfunktioniert. Dort wurde den Gefangenen Zusammenarbeit mit dem Feind oder anderes regimefeindliches Verhalten vorgehalten. Sie wurden unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht und immer und immer wieder gefoltert und gepeinigt. Mit unserem Guide besichtigten wir zu Zellen umgebauten Klassenzimmer. Von vielen Opfern existieren Portraitfotos, die die Roten Khmer bei der Einlieferung in die Gefängnisse schossen und die nun dort ausgestellt sind. Der Anblick von vielen Hunderten Menschen, die dort umgebracht wurden - Männer, Frauen und Kinder jeden Alters - war wirklich bedrückend. Insgesamt haben nur 7 Menschen, die im "S-21" inhaftiert waren inhaftiert, überlebt. Tausende wurden hingerichtet oder überlebten die Bedingungen in Gefangenschaft nicht. Nach der Inhaftierung und zum Teil monatelanger Folter wurden die Opfer zu den "Killing fields", ca. 15km außerhalb der Stadt, gebracht. Auf dem ehemaligen chinesischen Friedhof und anderen Killing fields wurden die Gefangenen umgebracht. Neben den Massengräbern in denen die Leichen vergraben wurden und aus denen heute auch noch Knochen und Anziehsachen der Leichen rausschauen, gibt es ein großes Monument, in dem die exhumierten Schädel und Knochen von über 8000 Opfern zum Gedenken ausgestellt. Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer dauerte von 1975 bis 1979, als die vietnamesische Armee einmarschierte um sie zu stoppen. Es ist wirklich unfassbar, welchen unglaublichen Schaden am kombodschanischen Volk und seinen Schätzen, die Roten Khmer in solch einer kurzen Zeit anrichten konnten. Kunst, Literatur und vieles anderes wurde fast vollständig ausradiert. Insgesamt starben durch das Pol-Pot-Regime direkt und indirekt ca. 3 Millionen Menschen, das ist fast die Hälfte der damaligen Bevölkerung des Landes(!). Die Geschichte der Rotem Khmer bzw. des Pol-Pot-Regimes ist besonders schockierend, zumal das ganze erst etwa 30 Jahre her ist und viele Kambodschaner, so auch unser Tourguide, diese Zeit selbst miterlebt haben. Auf der Fahrt zu den Killing fields erzählte er uns, welche Aufageben er in der Zeit des Regimes übernehmen musste. Damals war er noch ein kleiner Junge und litt schwer darunter, dass es nie genug zu Essen gab, so dass viele Menschen verhungerten. Auch die die meisten Mitglieder der Führungsriege des damaligen Regiems um Pol Pot sind noch am leben. Pol Pot selbst verstarb im Jahr 1998 eines natürlichen Todes, während er unter Hausarrest stand. Erst im Jahr 2007 begannen die Gerichtsverhandlungen für die Regiemeführer vor einem dafür eingerichteten Gerichtshof in Kambodscha. Mehrere Urteile stehen noch aus. Ein sehr interessanter und schockierender Vormittag. Aber auch ein wirklich wichtiges Thema, wenn man die Geschichte des Landes verstehen möchte. Den Nachmittag nutzen wir um einige Touristenziele der Stadt zu besuchen. Zu erst zum Königspalast, der mit seinen 6,25$ Eintrittspreis für hiesige Verhältnisse doch relativ teuer war. Aber die das ganze Gold und Silber müssen ja auch finanziert werden. Leider durfte man viele Bereicht des Palasts nicht ansehen, da dort wohl die Königsfamilie lebt. Weiter gings zu dem Ort, an dem die drei großen Flüsse der Stadt zusammenkommen, der Mekong, der Tonle Sap und der Tonle Bassac. Trotz des trüben und braunen Wassers badeten viele Einheimische im dem Fluss. Zuletzt noch zu dem Tempel, um den der Legende nach Phnom Penh gegründet wurde: der Wat Phnom. Touristen müssen dort 1$ Eintritt bezahlen, während Einheimische kostenlos rein dürfen - gemein! Um den Tempel herum leben viele Affen, die so einiges von den Menschen gelernt haben: Einer trank mit einem Strohhalm aus einer Plastikflasche Wasser. Beim Abendessen gab es neben Hühnchen, Schwein und Rind auch Vogelspinne als Snack vorab. Man reißt zuerst die Beine aus und isst sie. Die schmecken eigentlich hauptsächlich nach nichts: trocken mit wenig Fleisch drin. Dann gibt es noch den Körper, bei dem uns immer noch nicht ganz klar war, wo vorne und hinten war. Auf jeden Fall war der eine Teil - den die Hannah gegessen hat - weich der andere unter einem harten Panzer versteckt, den wollte keiner von uns knacken und essen. Und die sehenswerten Fotos von heute.